Seit über zehn Jahren steht die etablierte Songwriterin Sarah Lesch für handgemachte Musik und zeitlose Poesie. Mit ihrem Album „Poesie & Widerstand“, das am 17. April auf Listenrecords erscheint, kehrt sie nun zurück zum Kern ihrer ursprünglichen Kraft und Haltung. Ein Werk über die leise Zuversicht in lauten Zeiten.
In einer Gegenwart aus KI-generierten Sounds und maximaler Glättung setzt “Poesie & Widerstand” bewusst auf Imperfektion, Reduktion und Körperlichkeit – als eine Rückkehr zu Sarah Leschs akustischen Wurzeln: Songwriter-Musik in ihrer stillen, würdevollen Kraft. Reduziert, nah, berührbar.
Holzige, knarzende Saiteninstrumente und fein verwobene Atmosphären aus echten Momenten des Entstehungsprozesses sind zu hören. Eine klangliche Erdung, die dem Album eine zeitlose Wärme verleiht. Die detailverliebten und fein ausgearbeiteten Gitarrenkompositionen von Produzent Norman Daßler und Co-Produzent Philipp Wiechert sorgen sowohl für intime als auch überraschend weite Momente, die scheinbar mühelos mit Leschs typisch gehaltvollen und dennoch immer wieder leichtfüßigen Zeilen verwoben sind.
Schon der Opener des neun Stücke umfassenden Albums, “Plädoyer”, setzt dabei musikalisch wie inhaltlich ein klares Statement: „Wir bleiben stabil!“. In poetischer Sprache und klarer Haltung formuliert Lesch ein Gegenbild zu Angst, Verhärtung und falschen Versprechungen. Es ist ein Lied über Zivilcourage ohne Pathos und über eine unberechenbare Kraft: die Anpassungsfähigkeit und die Verbundenheit. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“ wird hier nicht zur Drohung, sondern zur Ermutigung.
„Wer jetzt keinen Helm aufhat –
kann die Sterne noch sehen überm Land
Und das Volk, in dessen Namen sie richten,
ist längst schon im Widerstand – gegen sie
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen
Ein Plädoyer in Poesie“
„Poesie & Widerstand“ bewegt sich zwischen Intimität und gesellschaftlicher Gegenwart, zwischen Waldrand und Weltgeschehen. Sarah Lesch schreibt aus einer Haltung heraus, die Widerstand in unseren Zeiten nicht als Aufruf zum Grabenkampf versteht, sondern als unbedingte Pflicht, gerade jetzt in der Liebe zu bleiben.
„Während sie noch versuchen, uns auszubluten,
werden wir allen Grund mit Liebe fluten“
Die erste Vorabsingle des Albums, „Dalai Lama“, verwebt spielerisch Alltag, Dystopie und Hoffnung. Eine tröstliche Erinnerung daran, dass unsere naivsten Träume kein Irrtum gewesen sind. Seit es Menschen gibt, gibt es Krisen, Bedrohungen, Kriege und Zwischenzeiten – aber da ist und war eben auch immer: Liebe und Musik.
Mit „Heute“ findet das Album einen leisen, existenziellen Kern: ein Lied über tiefe Verbundenheit und die Erkenntnis, dass Revolution leise, aber viel näher ist, als wir glauben. „Wir sind ein Stäubchen am Hut der Zeit“ – und das ist laut Lesch eine ganz gute Neuigkeit.
Mit „Allerschönste Frau der Stadt“ zeigt sich Sarah Lesch mitsamt ihrer musikalischen Begleitung von ihrer hemdsärmeligen Seite, nimmt mit einem Augenzwinkern sowohl weiblich als auch männlich sozialisierte Geschlechterscham gleichermaßen auf die Schippe und hievt uns alle ein Selbstwert-Level höher. Kein belehrender Zeigefinger und keine intellektualisierte Predigt, sondern eine verspielte Kampfansage an Rollenbilder und Spießigkeit, die niemanden angreift und dennoch in rotziger Haltung bleibt.
„Mein Arsch ist weiter noch gereist als deine Yacht –
ich bin der allerhellste Stern der ganzen Nacht!“
„Verschlafene Trauer“ ist der heimliche Gigant des Albums. Ein zutiefst berührendes Lied über Abschied und Sehnsucht, über die Absenz eines geliebten Menschen. Nichts wird wieder, wie es einmal war – und die Anerkennung dessen gibt der Liebe und der Traurigkeit die angebrachte Ehrerweisung. Mit Kontrabass, traumwandlerisch anmutenden Gitarren und einer melancholischen Weite, die an Nouvelle-Chanson erinnert.
„Poesie & Widerstand“ beginnt mit einem Plädoyer gegen die Resignation und endet mit dem Versprechen, dass es einen Ort für uns alle gibt – vielleicht genau hier. Ein Album über innere Haltung in äußeren Krisen und über die Kraft, die entsteht, wenn Menschen sich nicht voneinander trennen lassen. Unaufgeregte Klarheit statt Zynismus. Ein leises, aber beharrliches Leuchten im Dunkeln.

